«

»

Der Vogel hat ein Haus gefunden, und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen

Liebe Gemeindemitglieder, liebe Gäste !
Dank und Freude erfüllen mein Herz über die Entstehung des Dietrich-Bonhoeffer-Gemeindehauses. Dies nehme ich zum Anlass, auf all die Jahre zurückzublicken, in denen das Haus entstanden ist. Ich meine, es war ein langsames Werden und Wachsen.

Und nun möchte ich ihnen erklären, wie ich zu dieser Auffassung komme:
Seit 26 Jahren lebe ich hier und arbeite in unserer Gemeinde an verschiedensten Stellen mit. Davon habe ich 24 Jahre lang den Werdegang des Gemeindehauses mit verfolgt und im Kirchenvorstand mit gestaltet.

Ingeborg_Schmitz1984 kam ich mit meinem Mann und 2 Kindern nach Oberstaufen. Kurz nach der Einschulung unseres Sohnes bekam ich Kontakt mit Friedrike Puchta, die Frau unseres damaligen Pfarrers. Sie war es, die meine Kinder und mich mit wahrlich offenen Armen einlud den Kindergottesdienst zu besuchen. Ihre offenherzige Art, Fröhlichkeit und Lebendigkeit ließ mich ein einige Zeit später im Kinder-Gottesdienst-Team mitarbeiten. Da war unser drittes Kind geboren, das Friederike das Gemeinde-Knuddel-Kind nannte, denn es war fortan immer dabei und fast jeder kannte damals unsere Svenja.

So in der Gemeinde beheimatet hatte ich mich noch nie gefühlt. Ich hatte Feuer gefangen und ließ mich für die anstehenden KV-Wahlen aufstellen. Als sogenannte „Berufene“ trat ich meine erste „Amtszeit“ an und sammelte Erfahrung in kirchlicher Arbeit.

Der Wechsel der Mesnerinenstelle brachte die Diskussion über die Umgestaltung des Mesnerhauses in ein Gemeindehaus in Gang. Es dauerte einige Zeit bis alle den Bedarf sahen und überzeugt davon waren, dass wir das alte Haus renovieren sollten.

Viele Gemeindemitglieder, als auch Handwerker, halfen mit, das Haus zu renovieren. Bald konnten wir den Kindergottesdienst parallel zum Hauptgottesdienst in neuen Räumlichkeiten feiern. Kirchenvorstandssitzungen, Weltgebetstags-Vorbereitung, Osternacht-Teams und Bibelkreisgespräche und vieles mehr hatten ihren Raum gefunden. Und mit der Küche konnten wir nun schöne Gemeinde- feste vorbereiten und bestreiten. Rosi Ulbrich nannte unser erstes Gemeindehaus später liebevoll „Stüble“.

Erich Puchta schlug nach 25 Jahren seinen neuen Weg zu einer Zeit ein, als, wie er sagte „ein frischer Wind“ in der Gemeinde wehte. Ich nehme an, er hielt auch uns für „gehfähig“, unseren Weg weiter zu verfolgen.

Nach 6 Monaten der Vakanz trat Klaus Pfaller mit seiner Frau und Sohn (später folgten 2 Töchter) mit viel Elan die Stelle in Oberstaufen an. Gemeinsam mit dem damaligen Kirchenvorstand wurde eine Bestandsaufnahme der kirchlichen Räume erstellt. Es stellte sich heraus, dass umfassende Renovierungsarbeiten an der Kirche dringend geboten waren. Ehrlich gesagt, neu bauen finde ich rückblickend leichter als renovieren.

Neben seiner vordringlichen Arbeit als Pfarrer und Seelsorger seiner Gemeinde und Seelsorger in der Schlossbergklinik und Wolfsried, legte Klaus selber viel Hand an. Bäume wurden gefällt und brachten Licht in unser Grundstück mit dem Ziel der Trockenlegung von Mauerwerk und Dach der Kirche. Aber bei all der Eigeninitiative war der schwierigste Brocken immer wieder München, der Sitz der landeskirchlichen Behörden. Die vielen Anträge, Gespräche, endlos erscheinende Zeiten, in denen nichts zu passieren schien, raubten Kraft. Münchens Mühlen mahlen langsam, stellte ich fest und war manchmal über die Zähigkeit des Fortkommens frustriert. Da brauchten wir alle, vor allem Klaus Pfaller, Geduld und Durchhaltevermögen.

DSC00575Bauen ein Dauerbrenner dieser Gemeinde? Na klar!

Eine Gemeinde ist meiner Auffassung nach immer im Auf-, Um- oder eben auch Neu-Bau. Und weil das so ist, machte sich der Kirchenvorstand mit R. Ellhard zusammen Gedanken, wie ein Gemeindehaus mal aussehen könnte. Übrigens, schon damals war ein „Kreuzgang“, wie wir ihn jetzt haben, im Gespräch! Die Sparmaßnahmen der Landeskirche anlässlich schwieriger Finanzlage ließen unsere Träume schnell zerplatzen, und Klaus Pfaller, Herr Popp, unser Kirchenpfleger, und der Kirchenvorstand verlegten sich auf das Sparen (nicht Knausern!). Denn – irgendwann werden Träume wahr! Darauf vertraute ich immer noch.

Klaus Pfaller wechselte die Stelle nach 16 prägenden Jahren und ging seinen Wege nach Penzberg. Ein großer Brocken der Renovierungsarbeiten war mit ihm geschafft oder in Gang gesetzt worden. Und wir KV-ler waren weiter auf guter Spur unterwegs.

Herr Apel war in Klaus Pfallers Dienstzeit als Entlastung (Seelsorge Schlossbergklinik und Scheidegg) mit halber Stelle in unsere Gemeinde Klaus Pfaller zur Seite gestellt worden. Er übernahm die Vakanz in unserer Gemeinde und trieb die Renovierungsarbeiten dankenswerter Weise weiter voran, bis Frank Wagner mit uns in die Zielgerade des Bauens lief. Er war, wie alle wissen, vor 13 Jahren bei uns in der Gemeinde Vikar und hatte unsere Gemeinde wohl in guter Erinnerung behalten. Er wollte uns und wir ihn. So feierten wir Palmsonntag 2009 mit großer Freude seine Rückkehr mit Frau und 2 Töchtern; nun als Pfarrstelleninhaber.

Alles weitere dürfte bekannt sein. Die Renovierungsarbeiten wurden mit den Malerarbeiten des Innenraums der Kirche abgeschlossen. Gleichzeitung liefen die gedanklichen Planungen und Vorgespräche über einen Neubau auf Hochtouren.

Im Lauf der Jahre hatten die Münchner Behörden und auch der Dekan ein Einsehen mit unserer desolaten Raumsituation. Der alte Bau war zu marode, als dass er noch zu renovieren gewesen wäre. Oft genug waren die Herren vom Landesamt vor Ort gewesen und mussten zugeben, dass das, was diese Gemeinde mit den geringen räumlichen Mitteln auf die Beine gestellt hatte, bewundernswert war. Nun erfuhren wir volle Unterstützung auf allen Ebenen. Wir hatten die Zustimmung des Dekans und unser Geldpolster trug dazu bei, den Neubau in Angriff zu nehmen.

Die zurückliegende Bauzeit empfinde ich kurz; sie waren von Vorfreude und Spannung geprägt. Mein Wunschtraum ist nun nach langen Jahren wahr geworden. Einmal in warmen, hellen und gemütlichen Räumlichkeiten Gemeindeleben mit gestalten zu können, war mein Traum und ist nun möglich.

Dank und große Freude erfüllten mein Herz, als wir am 2. Advent mit einem schönem Gottesdienst das Dietrich-Bonhoeffer-Gemeindehaus einweihen und gemeinsam ein großes, wunderbares Fest feiern konnten. Dankbar blicke ich auf diese 24 Jahre Gemeindearbeit mit vier Pfarrern zurück und freue mich dass der Vogel ein Haus gefunden hat und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen, wie es in Psalm 84,4 (Luther) heißt. Jung und Alt haben jetzt einen Ort zum Lobe Gottes und für Gemeinschaft gefunden, eine gemeinsame Begegnungsstätte. Fremde und Einheimische, Menschen unterschiedlicher Prägungen und Konfessionszugehörigkeit werden sich in Offenheit treffen und diskutieren können. Kinderlachen wird hoffentlich zu hören sein, Konfirmanden bereiten sich hier auf ihre Konfirmation vor, und für Feste und Feiern sind die angemessenen Räumlichkeiten gefunden.

Das Dietrich-Bonhoeffer-Gemeindehaus wird hoffentlich zur Heimat für Viele.

Ihre Ingeborg Schmitz

 

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://www1.oberstaufen-evangelisch.de/artikel/der-vogel-hat-ein-haus-gefunden-und-die-schwalbe-ein-nest-fur-ihre-jungen