Predigt zum Thema “Früher war mehr Lametta” am 2. Weihnachtsfeiertag 2018

Predigt zum Thema: Früher war mehr Lametta – 2. Weihnachtsfeiertag 2018

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei nun mit euch allen. Amen.

Liebe Gemeinde,

kennen Sie Opa Hoppenstedt? Ältere unter uns werden sich vielleicht noch an Loriot und seinen wundervollen Sketch „Weihnachten bei den Hoppenstedts erinnern. In seiner Rolle als Opa Hoppenstedt äußert Loriot den Spruch, der dem GD heute den Titel gegeben hat: früher war mehr Lametta. Mit dem Spruch „Früher war mehr Lametta“ bringt Opa Hoppenstedt alias Loriot zum Ausdruck, dass frühere Weihnachtsfeste schöner und besinnlicher von statten gingen. In der Weihnachtsepisode herrscht bei den Hoppenstedts hingegen Stress und Hektik zur Weihnachtszeit. Im Vorfeld des Spruchs wird etwa über das Weihnachts-TV-Programm gestritten. Zudem gibt es in der Familie Uneinigkeit über die Reihenfolge der Bescherung und das Weihnachtsgedicht.

Früher war mehr Lametta. Ich weiß nun nicht, wie sie bei sich zu Hause den Weihnachtsbaum geschmückt haben, aber ich glaube, es ist tatsächlich eine Tendenz unserer Zeit: früher war mehr Lametta. Oder anders herum gesagt: heutzutage gibt es wohl nur noch wenige Menschen, die ihren Baum mit Lametta schmücken.

Ich kann mich noch gut an Kindertage erinnern, wo in unserer Familie es selbstverständlich war, den Baum mit Lametta zu schmücken. In Silber und Gold waren die feinen Streifen im letzten Jahr sorgsam vom Baum abgenommen und in Zeitungspapier gepackt worden, um sie dann kurz vor Weihnachten mit dem anderen Christbaumschmuck wieder hervorzuholen. Einzeln wurden die Lamettafäden dann an den Baum gehängt, um ihn damit zu dekorieren. Daneben noch Lichter und Kugeln – für viel mehr war dann am Baum nicht mehr Platz. Irgendwann freilich wurde das Schmücken des Baumes mit Lametta aufgegeben – sei es aus Gründen des Umweltschutzes, sei es, weil immer neuer und anderer Schmuck auf den Markt kam und so das Lametta verdrängte. Ich jedenfalls kann mich nicht mehr daran erinnern, zusammen mit meiner Frau jemals einen Baum mit Lametta ge-schmückt zu haben. War sicher bei vielen anderen auch so. Nur mein inzwischen verstorbener Schwiegervater hielt das Fähnchen des Lamettas hoch und hat, solange er noch einen Baum im Wohnzimmer hatte, seinen Baum mit Lametta dekoriert.

Wussten sie, dass die Produktion von Lametta noch gar nicht so alt ist? Erst im 20. Jahrhundert ent-wickelte sich die industrielle Fertigung von Lametta für Weihnachten. 1878 war es in Deutschland erstmals in Nürnberg hergestellt worden. Am Christbaum taucht Lametta übri-gens in Italien erstmals auf. Daher der Name Lametta. Es kommt als Verkleinerungsform im italienischen vom lateinischen Wort „lama“ und bedeutet „Metall“. Denn darum handelt es sich ja bei Lametta: um schmale Metallstreifen, die traditionell als Weihnachtsschmuck an den Weihnachtsbaum gehängt wurden. Da ich in diesem Jahr ein Päckchen davon geschenkt bekommen habe, hab ich heute tatsächlich Lametta dabei.

Warum man Lametta an den Baum und welche Symbolik dahinter-steckt, dazu habe ich mehrere Antworte gefunden. Die einen sagen: soll das herunterhängende Lametta stellvertretend für Tannenzapfen an Weihnachten stehen. Eine zweite Erklärung meint: Lametta erinnere an Stroh und Heu aus dem Stall in Bethlehem. Wiederum andere meinen: Lametta stehe für Eiszapfen. Und eine letzte Erklärung besagt: Lametta ist die Erinnerung an Engelshaar und damit Erinnerung an die Engel auf dem Felde von Bethlehem, die damals bei der Geburt ganz nah dran waren am Geschehen.

Doch ganz egal – und nachher werde ich versuchen, noch ein wenig auf die Symbolik des Lamettas einzugehen – früher war mehr Lametta.

Zwischenmusik

Die Geschichte vom Lametta

Früher war mehr Lametta. Von einem, der so seine Schwierigkeiten mit diesen schmalen Metallstreifen hatte, möchte ich ihnen erzählen bzw. ihnen ein lustiges Gedicht vortragen. Vorwarnung: Gedicht ist zum Lachen und zum Schmunzeln, aber Weihnachten soll ja ein fröhliches Fest sein, darum jetzt: die Geschichte vom Lametta.

Weihnachten, das Fest der Feste, 
das Fest der Kinder und der Gäste. 
Hektisch geht es vorher zu, 
von früh bis abends keine Ruh’, 
Ein Hetzen, Kaufen, Backen, Messen; 
hat man auch niemanden vergessen?

So ging’s mir, keine Ahnung habend, 
vor ein paar Jahren Heilig-Abend, 
der zudem noch ein Sonntag war. 
Ich saß grad bei der Kinderschar. 
Da sprach mein Weib: ,,Tu dich nicht drücken, 
du hast heut noch den Baum zu schmücken!«

Ein Einspruch meistens mir nichts nützt, 
hab kurz darauf ich schon geschwitzt:
Den Baum auf Zimmermaß gesägt 
und in den Ständer eingelegt; 
dann kamen Kugeln, Kerzen, Sterne, 
Krippenfiguren mit Laterne. 
Zum Schluss – ja Herrschaft-Donnerwetta! 
Nirgends fand ich das Lametta!

Meiner Frau ward’ es ganz heiß 
und sie sprach: „Jawohl, ich weiß, 
voriges Jahr war’s stark verschlissen, 
drum haben wir es weggeschmissen. 
Vergessen hab ich, neues zu besorgen, 
doch werden wir uns nachbarlich was borgen!“ 
Doch Nachbarn links, rechts, drunter, drüber, 
keiner hat Lametta über!
Die Geschäfte sind geschlossen, 
beide Eltern schaun verdrossen.

Als Psychologe zu den Knaben 
sprach ich: »Wir werden heuer haben 
einen Baum, altdeutscher Stil, 
weil mir Lametta nie gefiel.” 
Da gab es Tränen, Schluchzen, Heulen. 
Ich tat mich drum sehr schnell beeilen 
zu sagen: »Stoppt mir sofort das Gezeta, 
ihr kriegt ‘nen Baum mit viel Lametta!

Trotzdem konnte ich nicht begreifen, 
woher bekomm ich Silberstreifen?! 
Als ich holte grad ein Messer, 
las ich: ,Hengstenberg-Mildessa’. 
So stand’s auf Sauerkraut-Konserve. 
Ich kombinier’ mit Messerschärfe:
Hier ist die Lösung eingebettet, 
das Weihnachtsfest, das ist gerettet!

Schnell den Deckel aufgedreht, 
das Kraut gepresst, so gut es geht, 
zum Trocknen einzeln aufgehängt 
und dann geföhnt, doch nicht versengt. 
Die trockenen Streifen, sehr geblichen, 
mit Silberbronze angestrichen. 
auf beiden Seiten Silberkleid; 
oh freue dich, oh Christenheit!

Der Christbaum strahlt einmalig schön, 
wie selten man ihn hat geseh’n. 
Zwar roch’s süß-sauer zur Bescherung. 
Geruchlich gab’s ne Überquerung, 
weil mit Benzin ich wusch die Hände, 
mit Nitro reinigte ich Hos’ und Wände.

Vereint mit Räucherkerz und Myrthe
Gesamt-Odeur etwas verwirrte.
Und jedermann sprach still verwundert:
„Hier riecht`s nach technischem Jahrhundert!”

Acht Tage drauf: Ich döste fest und fester, 
wieder Sonntag und man schrieb Silvester.
Da sprach mein Weib: 
,,Es kommen Schulzen, Lehmann, Meier, 
heut Abend zur Silvesterfeier.

Wir werden leben wie die Fürstel, 
ich gebe Sauerkraut und viele Arten Würstel.” 
Dann folgt ein Schrei, wobei entsetzt sie schaut, 
sie stöhnt: »Am Christbaum hängt das Sauerkraut. 
Vergessen hab ich, neues zu besorgen, 
doch werden wir uns nachbarlich was borgen.”
Doch Nachbarn links, rechts, drunter, drüber, 
Sauerkraut hat keiner über.
Die Geschäfte sind geschlossen, 
beide Eltern schaun verdrossen.

Und so ward ich wieder Retter, 
holte vom Baume das Lametta. 
Mit Terpentinöl und Bedacht, 
hab ich das Silber abgemacht.

Das Kraut dann gründlich durchgewässert, 
mit reichlich Essig leicht verbessert; 
dazu noch Nelken, Pfeffer, Salz, 
Curry, Ingwer, Gänseschmalz

Dann als das Ganze sich erhitzte, 
das Kraut, es funkelte und blitzte, 
da konnt ich nur nach Oben flehen:
»Lass diesen Kelch vörübergehn!«

Als dann das Sauerkraut serviert, 
ist darin folgendes passiert:
Eine Dame musste niesen. 
Man sah aus ihrem Näschen sprießen 
tausend winzige Silbersterne.
„Mach es noch mal, ich seh das gerne.“

So rief man ringsum, hocherfreut, 
doch sie, sie wusste nicht Bescheid. 
Franziska Lehmann sprach zum Franz:
„Dein Goldzahn hat heut Silberglanz!“ 
So gab’s nach dieser Kraut-Methode, 
noch manche nette Episode.

Beim Heimgang sprach ein Gast zu mir, 
„Es hat mit gut gefallen hier, 
doch wär’ die Wohnung noch viel netter, 
hätt’st Du am Weihnachtsbaum Lametta!” 
Ich konnte da gequält nur lächeln 
und frische Luft mir noch zufächeln. 
Ich sprach und klopfte ihm aufs Jäckchen:
„Gleich morgen kauf ich hundert Päckchen!“

Und die Moral von der Geschicht: ohne Lametta geht es nicht!

Zwischenmusik

Liebe Gemeinde,

nach Opa Hoppenstedt und der Geschichte vom Lametta noch ein paar abschließende Gedanken. Früher war mehr Lametta. Ja ich glaube, die Sehnsucht nach mehr Lametta spricht in der Tat etwas in uns an, was wir mehr und mehr mit Weihnachten verbinden. Es mag auch daran liegen, dass wir älter werden, wir früher einfach kleiner waren und uns darum vom Zauber von Weihnachten mehr anstecken ließen. Aber in unseren Tagen da bedeutet früher war mehr Lametta doch eher: früher war weniger Hektik, weniger Kommerz, weniger Stress, wenn wir an Weihnachten denken. Und heute? Am Heiligen Abend haben viele Geschäfte so lange auf, dass manchen Menschen es gar nicht möglich ist, am Nachmittag mit der Fa-milie in den Gottesdienst zu gehen. Pakete werden bis zur letzten Minute zugestellt und von Besinnlichkeit ist dann nicht mehr viel übrig. Und wenn dann auch wieder das Wetter schwächelt und wieder nur alles grün ist, dann fehlt auch von außen die Stimmung. Früher war mehr Lametta.

Aber wie ist das mit Weihnachten? Ist es wirklich nur ein rückwärts-gewandtes Fest, bei dem wir alle zurückkriechen in Stimmungen und in die Nestwärme des Stalls von Bethlehem? Lametta am Baum erinnert uns natürlich in seiner Symbolik für Heu und Stroh und für die Haare der Engel an das Geschehen auf den Feldern von Bethlehem vor mehr als 2000 Jahren. Aber Lametta und Weihnachten ist mehr, als die Erinnerung an Kindertage und die Weihnachtsgeschichte nach Lukas. Weihnachten ist mehr als die Sehnsucht nach Geborgenheit und Ruhe in unserer oft so unruhigen Welt. Weihnachten ist eben nicht einfach nur ein einmaliges Geschehen damals, sondern Weih-nachten ist der Anfang einer Geschichte, die noch lange nicht zu Ende ist. Ehre sei Gott in der Höhe – Frieden auf Erden: die Worte, die Botschaft der Engel ist noch im Werden. Noch leben wir in einer Welt, in der Gott oft wenig Ehre gegeben wird. Ganz im Gegenteil: in seinem Namen (unter welchem Namen man ihn auch anruft) werden bis heute Kriege geführt, gibt es Auseinandersetzungen, Gewalt und Unrecht. Und Frieden auf Erden, den haben wir noch lange nicht. Denn auch wenn es keinen Krieg bei uns gibt und wir seit mehr als 70 Jahren im Frieden leben dürfen, geht es doch oft wenig friedlich mit-einander zu. Neulich erlebt: Schüler einer zweiten Klasse, die sich einen Tag vor Weihnachten im Schulhaus prügeln; Hetze gegen Ausländer, Flüchtlinge und Asylsuchende ist jeden Tag unter uns präsent: wer ein wenig in den sozialen Medien unterwegs ist, den schüttelt es, welche Texte und Kommentare da oft von Menschen verbreitet werden; und ich brauche ihnen glaube nichts davon zu erzählen, dass es auch unter unseren Weihnachtsbäumen nicht nur friedlich zugegangen ist. Noch immer ist das nicht verwirklicht, was Martin Luther King bei der Verleihung des Friedensnobelpreises sagt:

Wir haben gelernt, die Luft zu durchfliegen wie die Vögel und das Meer zu durchschwimmen wie die Fische, aber nicht die einfache Kunst, als Brüder zusammen zu leben… Und dies ist das gewaltige neue Problem der Menschheit. Wir haben ein stattliches Haus geerbt, ein großes „Welthaus“, in dem wir zusammen leben müssen – Schwarze und Weiße, Menschen aus dem Osten und dem Westen, Heiden und Juden, Katholiken und Protestanten, Moslems, Buddhisten und Hindus, eine Familie, die in ihren Ideen, ihrer Kultur und ihren Interessen übermäßig verschieden ist und die – weil wir nie mehr ohne einander leben können – irgendwie lernen muss, in dieser großen Welt miteinander zu leben.

Darum ist Weihnachten eine Geschichte, die bis heute weitergeht und in die wir alle mit hinein genommen sind. Weihnachten ist der Ausblick auf eine Welt mit Frieden, ohne Hunger und Tod, ohne Gewalt und Unrecht, ohne Leid und Tränen. Ein Ausblick, wofür es sich lohnt, zu arbeiten, zu beten, zu leben. Wofür unsere kleine Kraft gebraucht wird.

Früher war mehr Lametta. Vielleicht bräuchten wir ja wieder viel mehr davon (gibt es ja inzwischen auch umweltfreundlich). Lametta, das uns an die Engel auf den Feldern von Bethlehem erinnert. Lametta – eigentlich eine Spur, die ein Engel gelegt hat, der im Stillen Gutes für uns tut und dafür ein Haar gelassen hat. Eines Tages aber wird mehr Lametta sein – mehr und mehr. Denn Gott kommt und seine Engel wirken und sein Reich wächst. Daran erinnert uns Lametta. Und auch wenn früher mehr Lametta war, die Botschaft der Engel bleibt und diese Botschaft sollten wir von Weihnachten mit in unseren Alltag nehmen: Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens. Und weil wir sicher auch im nächsten Jahr kein Lametta an den Baum hängen werden, bekommt jeder von ihnen als Erinnerung an Weihnachten einen Lamettastreifen am Ausgang. Ganz nach dem Motto: früher war mehr Lametta. Amen.

Und der Friede Gottes ….

Pfarrer Frank Wagner

Anmerkung

Die Predigt „Früher war mehr Lametta“ basiert auf einer Idee des Dekanats Kempten und Dekan Jörg Dittmar, die in diesem Jahr einen Weihnachtsgruß mit diesem Motto und einem Päckchen Lametta verschenkt haben.

Predigt zum Thema Früher war mehr Lametta am 26.12.2018

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